Vierfach amputierte Mutter kämpft sich zurück ins Leben

Schicksale: Miriam

Miriam hatte eine Bagatellverletzung, die zu einer Entzündung im Körper führte. Es drohte ein Multi-Organ-Versagen, eine intensivmedizinische Versorgung war notwendig. Um die lebenswichtigen Organe wie Herz, Lunge und Leber retten zu können, musste Blut aus der Körperferne – so heißt es in der Fachsprache – gezogen werden. Dabei entstand abgestorbenes Gewebe (Nekrosen), das sich nicht zurückbildete. Es gab nur einen Weg, das Leben der 48-Jährigen zu retten: Die Amputation aller vier Gliedmaßen.

LEBEN ERHALTEN DURCH VERLUST VON EXTREMITÄTEN

Die Mutter zweier Kinder im Schulalter war während dieses Prozesses bei Bewusstsein und hat die Entscheidung ihren Kindern zuliebe mitgetragen. „Mein Lebensweg ist an vielen Stellen besonders“, erinnert sie sich. Im Februar 2025 wurden Miriam beide Arme und beide Beine amputiert. 57 Tage lebte sie danach ohne Gliedmaßen und ohne Prothesen. Das war nur möglich, weil ein Netzwerk aus Familie und Freunden sie unterstützte, und zwar Tag und Nacht. Traurigkeit, Hilflosigkeit und Perspektivlosigkeit prägten die Gedanken in einer solchen Phase.

„BE-GREIFEN“ LERNEN IN DER REHA

Nach drei Monaten im Krankenhaus kam Miriam zum ersten Mal in die Moritz Klinik. „Es ist gut, wenn der Übergang vom Krankenhaus in die Reha nahtlos stattfindet“, so Dr. Ziegenthaler. Wichtig ist es, zu Beginn schon zu klären: Was ist ein realistisches Ziel für die Reha? Diese Ziele müssen im Verlauf jeder Reha immer wieder nivelliert werden. Der mentale Aufbau spielt in dem ganzen Prozess eine zentrale Rolle. Dr. Ziegenthaler beschreibt es so: „Wenn ich nicht losgehe, kann ich auch nicht ankommen. Das gilt nicht nur für Beine, sondern auch für den Kopf bzw. die Psyche.“ Dennoch hat der Eingriff das Wesen von Miriam verändert. „Eines der zentralen Elemente der Reha bei Amputierten ist es, den Umgang mit der Prothese zu trainieren. Dabei spielt die Psyche maßgeblich beteiligt, denn es geht ja auch darum, die Prothese als einen Teil von sich zu akzeptieren.“ Es geht darum, zu „be“-greifen, dass greifen nun anders ist.

GEFRAGT IST GEDULD

Zunächst bekam die Patientin Interimsprothesen für die Beine, um laufen zu können. Es folgten Prothesen für Hände und Arme. Die Tragedauer beträgt am Tag anfänglich nur drei bis vier Stunden. Wie schnell letztlich die Adaption des Fremdkörpers dauert, hängt von der Einstellung des Trägers ab: „Die Frage, wie ich die Prothese in mein Leben lassen möchte, bestimmt nicht unerheblich über die Dauer des Gewöhnungsprozesses“, erklärt Dr. Ziegenthaler. Der Umgang mit der Prothese entwickelt sich mit fortschreitender Zeit und dauert unterschiedlich lang. Inzwischen war Miriam zum zweiten Mal zur Reha in der Moritz Klinik. Im Laufen, auch ohne Hilfsmittel, ist sie bereits erstaunlich fit. Mit den Armprothesen trainiert sie in der Ergotherapie bereits Griffmuster und Fingerstellungen für Alltagssituationen, kann den linken und rechten Arm gezielt ansteuern.

ZURÜCK IN DEN BERUF – ABER ANDERS

In ihrem Job ist die Mutter weiterhin an einer Universität beschäftigt. Nach der laufenden Eingliederungsphase wird sie sich ab dem Mai 2026 um das Projektmanagement kümmern und einen Arbeitsplatz im Büro haben. Arbeitsmittel wie ein Rechner mit Diktierfunktion und Einhandtastatur wurden ihr vom Arbeitgeber gestellt, auch ein barrierefreier Zugang wurde errichtet.

 

Alle Fragen rund um Ihre Reha
beantworten wir sehr gerne persönlich.
Diese Website ist barrierefrei.