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Brandverletztenrehabilitation - was steht hinter dem Konzept der Moritz Klinik?

Definition: Brandverletzte

Bedrohlich sind thermische Schädigungen der Haut, wenn mehr als 15 Prozent der Körperoberfläche tiefgradig davon betroffen sind. Vergleichbare Schädigungen können durch Starkstrom oder Chemikalien ausgelöst werden. Hinzu kommen in der Regel Einschränkungen verschiedener Körperfunktionen unmittelbar durch die Brandverletzung und durch Begleiterkrankungen.

Über das äußere Erscheinungsbild, also auch über die intakte Haut, definiert sich im Kontakt zu anderen Menschen unser ästhetischer Gesamteindruck und unser Selbstwertgefühl. Beides ist bei Brandverletzten häufig gestört. Den Betroffenen fällt es schwer sich selbst noch anzunehmen, Beziehungen sind extrem belastet, Lebensplanungen werden in Frage gestellt.

Noch bis vor einigen Jahren waren die Überlebenschancen Schwerbrandverletzter sehr gering. Dank der hochspezialisierten Versorgung in so genannten Brandverletztenzentren überleben heute circa 80% der Betroffenen. Es bestehen jedoch weitreichende Einschränkungen an Körperfunktionen, an Selbstständigkeit im Alltag, häufig sind Amputationen nicht zu vermeiden und Nervenschädigungen zu beobachten. In Analogie zur Akutbehandlung ist in einer solchen Situation eine spezialisierte Nachbehandlung erforderlich.

Enge Zusammenarbeit mit den Ärzten der Akutversorgung:

Schon seit dem Beginn des Spezialisierungsprozesses auf die Rehabilitation Brandverletzter arbeitet die Moritz Klinik eng mit den Brandverletztenzentren der Region zusammen. Die Ärzte aus Akuthäusern und Rehabilitation stehen in ständigem, engen Kontakt und setzen sich genau über den Krankheitsstand der Patienten und den günstigsten Übernahmetermin in die Reha-Klinik in Kenntnis. Ziel dieser Bemühungen ist ein möglichst reibungslos aufeinander abgestimmtes, optimales Verfahren zur Betreuung der Brandverletzten sowie die ständige Verbesserung der qualifizierten und gezielten Betreuung von Betroffenen und ihren Angehörigen.

Kooperationspartner:

Die Moritz Klinik unterhält Kooperationsverträge mit dem Brandverletztenzentrum an den Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannstrost in Halle/Saale sowie dem Städtischen Klinikum „St. Georg“ in Leipzig. Sie ist Mitglied im „Arbeitskreis Rehabilitation Schwerbrandverletzter“ und führt zur Zeit dessen Vorsitz. Enge Kontakte bestehen zu den regionalen und überregionalen Selbsthilfegruppen.

Rehabilitationsziele:

Der Ortswechsel in die Reha-Klinik ist für Brandverletzte nach der langen Zeit der Passivität und Isolation im Akuthaus besonders wichtig. Die Reha-Klinik stellt eine Art Bindeglied zur Normalität eines "neuen" Lebens dar. Hier müssen die Brandverletzten zum ersten Mal seit Wochen wieder Eigenverantwortung übernehmen, aktiv werden, sich fremden Menschen zeigen und sich aktiv ins Leben zurückkämpfen. Hierzu bedarf es der einfühlsamen und qualifizierten Unterstützung.

Ziel der Rehabilitation in der Moritz Klinik ist es, dass der Brandverletzte alle Fähigkeiten und Fertigkeiten, die er in seinem persönlichen Umfeld und in seinem beruflichen Alltag braucht, möglichst schnell und umfassend wieder erlangt und bleibende Einschränkungen bestmöglich kompensieren kann. Je nach Fortschritt der Behandlung und in Abhängigkeit von den Erfordernissen der sozialen und beruflichen Reintegration, wird ein individuelles Behandlungsschema festgelegt. Zur Optimierung der rehabilitativen Behandlung sind sehr flexible Therapieformen sinnvoll.

Der individuelle Therapieplan:

Die therapeutischen Nah- und Fernziele der Rehabilitation werden bei uns in einem multiprofessionellen Reha-Team aus Ärzten, Therapeuten, Sozialarbeitern und Psychologen abgestimmt und klar definiert. Wir erstellen für jeden Brandverletzten einen individuellen Therapieplan mit Elementen der Krankengymnastik, der Ergo- und Sporttherapie. Für die Behandlung der Narben werden medizinische Bäder und spezielle Narbentherapien eingesetzt und bei Schmerzen verschiedene Schmerztherapien angewandt (siehe unten).

Um den Anforderungen der Brandverletzten gerecht zu werden, sind außerdem eine kompetente Reha-Krankenpflege rund um die Uhr und modernes Wundmanagement unerlässlich. Pflegestandards sichern die Qualität der Betreuung.
Besonders wichtig ist für viele Brandverletzte die psychotherapeutische Begleitung im Rehabilitationsverlauf, denn oft hinterlässt das schreckliche Erlebnis auch seine Spuren in der Seele (Trauma).
Zusätzlich zu den verschiedenen Therapieangeboten berät die Moritz Klinik den Brandverletzten in allen sozialen Fragen. So arbeitet die Moritz Klinik eng mit Reha-Beratern und Berufshelfern zusammen und verfügt über gute Kontakte zu den Berufsgenossenschaften.

Weiterhin bieten wir neuropsychologische Diagnostik und Therapie, Logopädie, Mototherapie sowie die notwendige Beratung und Behandlung durch zusätzliche Fachärzte an.
Der Verlauf der Behandlung wird umfassend mit Fotos und Videos dokumentiert, um den tatsächlichen Erfolg sichtbar zu machen.

Für schulpflichtige Brandverletzte wird mit dem zuständigen Schulamt eine Beschulung in den Hauptfächern organisiert.

Angehörige:

Angehörige der Brandverletzten werden mit ihrer Sorge um den geliebten Menschen bei uns nicht allein gelassen. Sie können auf Wunsch mit in der Klinik wohnen, werden über den Umgang mit den Verletzungen und über Unfallfolgen aufgeklärt und können so die Fortschritte in der Behandlung begleiten.

Weiterbildung und Forschung:

Die Mitarbeiter der Moritz Klinik bilden sich regelmäßig weiter und besuchen Fachkongresse. Oft werden sie eingeladen selbst Fachvorträge zu halten. Mitarbeiter der Moritz Klinik arbeiten regelmäßig an wissenschaftlichen Projekten mit und veröffentlichen medizinische Publikationen zum Thema Rehabilitation von Brandverletzten.

Amputationen bei Brandverletzten:

Nicht selten bedingt eine schwere Verbrennungsverletzung auch eine Amputation einer Gliedmaße. Damit sind Selbstversorgung und Mobilität erheblich beeinträchtigt. Anfangs wenig belastbare Stumpfverhältnisse, Stumpf- und Phantomschmerzen erfordern eine optimale Prothesenversorgung, meist zeitlich etwas versetzt und je nach individueller Stumpfbeschaffenheit unter Nutzung von Silikon-Linern. Ein auf eine solche Versorgung spezialisiertes Team aus Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Ärzten und Orthopädietechnikern ist wesentlich. Insgesamt ist von einer längeren Rehabilitationsphase auszugehen.

Schmerztherapie:

Brandverletzte und Schmerztherapie sind eng miteinander verknüpft. Verletzungen der Haut, Amputationen und die nicht seltenen Nervenschäden verursachen ein vielgestaltiges Schmerzbild. Nach der schmerzauslösenden Ursache werden geeignete Therapiemöglichkeiten ausgewählt. Im Rahmen der Schmerztherapie kommt das 3-Stufen-Schema der WHO konsequent zur Anwendung, unterstützende Medikamente werden indikations- und symptomgerecht eingesetzt. Reflextherapeutische Verfahren (Akupunktur und Neuraltherapie) und physikalische Maßnahmen (z. B. TENS, Ultraschall, entspannende Massagen) sind weitere Therapieoptionen. Mit Internisten, Neurologen, Orthopäden und dem Reha-Facharzt werden gemeinsam Behandlungswege besprochen.